
Viele Menschen freuen sich nach jahrzehntelanger Erwerbstätigkeit auf den Ruhestand – auf mehr Freizeit, auf Ruhe und vielleicht auf Reisen. Doch nicht für alle bedeutet das Ende der Berufstätigkeit auch das Ende der eigenen Sinnsuche oder Aktivität.
Eine Frau aus Großbritannien hat sich bewusst für einen ganz anderen Weg entschieden: Sie kehrt im hohen Alter in einen Berufszweig zurück, der nicht nur fordernd, sondern auch emotional besonders aufgeladen ist. Was sie dazu bewegt, hat mehrere Ebenen – und wirft zugleich Fragen über das Altern, über Arbeit und über Erfüllung auf.
1. Wenn Rentnerin zur Kollegin wird

Es sind Geschichten wie diese, die überraschen und gleichzeitig inspirieren. Eine 77-Jährige entschließt sich, ihren Ruhestand noch einmal zu unterbrechen – nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung.
Nach dem Tod ihres Partners sucht sie Nähe, Aktivität und Struktur. Sie beginnt eine Teilzeitstelle – ausgerechnet an einem Ort, der für sie voller Erinnerungen steckt. Dort, wo sie einst begleitete, ist sie nun selbst Teil des Teams. Was wie ein mutiger Schritt wirkt, wird für sie zu einer neuen Alltagskonstante mit persönlichem Wert.
2. Job als Brücke zwischen Verlust und Sinn

Leslie Reay arbeitet nun 18 Stunden im Monat in dem Pflegeheim, in dem ihr Mann an Demenz verstarb. Für sie ist es mehr als nur ein Nebenjob – es ist ein Weg, Trauer zu verarbeiten und dabei Gutes zu tun.
Die Verbindung zum Personal war schon zu Lebzeiten eng, nach dem Tod blieb sie bestehen. Leslie entwickelt mit der Zeit eine Leidenschaft für den Umgang mit demenzkranken Menschen. Ihre Arbeit bringt ihr 227 Pfund monatlich – nicht viel, aber genug, um sich hin und wieder kleine Freuden zu gönnen. Ihr Engagement ist eine stille Antwort auf den Schmerz, den sie erlebt hat.
3. Aktiv bleiben – für Körper, Kopf und Kontakt

Für Leslie zählt nicht nur das Einkommen, sondern vor allem der mentale und körperliche Nutzen. Die Aufgaben fordern sie, strukturieren ihre Woche und halten sie geistig wach. Auch die Zusammenarbeit mit dem Pflegeteam empfindet sie als wertvoll.
Sie sieht ihre Kompetenz und Erfahrung in der Arbeit mit den Bewohnern wirken – und das stärkt ihr Selbstwertgefühl. In einer Phase des Lebens, in der viele Menschen mit Vereinsamung kämpfen, erlebt sie durch den Job soziale Einbindung und neue Ziele. Für sie ist das Arbeiten im Alter nicht Last, sondern Chance.
4. Rente? Ja – aber nicht für alle gleich

Auch in Deutschland gibt es immer mehr Stimmen, die sich für flexiblere Modelle nach dem Renteneintritt aussprechen. Laut einer aktuellen Studie wären mehr als 50 Prozent der Erwerbstätigen bereit, über das gesetzliche Rentenalter hinaus zu arbeiten – allerdings meist nur in Teilzeit.
Vor allem gut ausgebildete Personen zeigen eine höhere Bereitschaft. Die Aktivrente der Bundesregierung mit Steuerfreibeträgen soll diesen Schritt zusätzlich attraktiver machen. Trotzdem: Nur wenige möchten tatsächlich über das 70. Lebensjahr hinaus arbeiten. Geschichten wie die von Leslie zeigen aber, dass es auch andere Wege geben kann – ganz individuell und weit über finanzielle Gründe hinaus.