Ein französischer Livestream entwickelt sich vom Spektakel zur Katastrophe: Der 46-jährige Streamer Raphaël Graven, online als „Jean Pormanove“ bekannt, bricht mitten in einem 12-tägigen Marathon-Stream zusammen und stirbt – live vor Zehntausenden Zuschauern.
Der verhängnisvolle 18. August 2025

Raphaël Graven startet in Contes bei Nizza einen scheinbar harmlosen 298-Stunden-Livestream auf der Plattform Kick, um seine Community mit Dauer-Challenges und Gaming zu unterhalten. Schon nach wenigen Tagen aber häufen sich verstörende Szenen – Schläge, Würgegriffe, Paintball-Beschuss.
Die Zuschauerzahl schießt in die Höhe, während Graven körperlich abbaut; trotzdem lässt er die Kamera weiterlaufen. Doch niemand ahnt, dass sich das Spektakel in eine Tragödie verwandeln wird.
Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Gewalt als Geschäftsmodell

Graven ist für extreme Inhalte bekannt: Gegen Geld dürfen „Gast-Streamer“ ihn erniedrigen, ein Konzept, das ihm angeblich rund 6000 Euro Monatsverdienst einbringt. Je brutaler die Aktionen, desto größer der Profit – und desto regungsloser wirkt der Streamer in den letzten Stunden seines Marathons.
Freunde berichten später, er habe sich „gefangen“ gefühlt; in einer Nachricht an seine Mutter schreibt er: „Ich will weg, aber die anderen halten mich fest.“ Die Community sieht zu – manche fassungslos, andere sensationsgierig.
Was genau passiert in der finalen Nacht?
Als das Bild plötzlich stillsteht

In der Nacht zum 18. August liegt Graven regungslos unter einer Decke, während einer der Männer noch eine Wasserflasche nach ihm wirft. Minutenlang wartet der Chat auf eine Reaktion – vergeblich. Erst als ein Zuschauer den Notruf alarmiert, rücken Rettungskräfte an; doch jede Hilfe kommt zu spät.
Das Video verbreitet sich rasend schnell auf Social Media, bevor Kick den Stream löscht. Für viele folgt der Schock erst, als sie realisieren, dass sie Zeugen eines echten Todes geworden sind.
Die Behörden schalten sich ein – und die ersten Befunde überraschen alle.
Obduktion widerspricht Mordgerüchten

Am 22. August veröffentlicht die Staatsanwaltschaft Nizza erste Ergebnisse: Keine inneren oder äußeren Verletzungen, kein Hinweis auf Fremdverschulden. Ärzte sprechen von einer wahrscheinlichen medizinischen oder toxikologischen Ursache; Graven litt an Herzproblemen und befand sich in Schilddrüsenbehandlung.
Dennoch sichern Ermittler sämtliche Technik und stundenlanges Videomaterial, um die genaue Todesursache zu klären – während die Debatte über ethische Grenzen von Livestreams in Frankreich aufkocht.
Jetzt geraten nicht nur die Mitstreiter, sondern auch die Plattform selbst ins Visier.
Politischer Donner gegen Kick

Frankreichs Digitalministerin Clara Chappaz nennt den Stream „absolut grauenvoll“ und verweist Kick an die Medienaufsicht; die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Verfahren wegen Verbreitung gefährlicher Inhalte. Verstößt die Plattform gegen das EU-Gesetz für digitale Dienste, drohen Millionenstrafen und sogar Haft für Verantwortliche.
Kick suspendiert alle Beteiligten und verspricht volle Kooperation – doch Kritiker werfen dem Anbieter jahrelange Untätigkeit gegenüber Gewalt-Streams vor. Branchenanalysten sehen darin einen Wendepunkt für die Regulierung von Live-Content in Europa.
Am Ende bleibt die Frage: Was bedeutet Gravens Tod für die Zukunft des Streamings?
Vermächtnis eines schmerzhaften Spektakels

Fans hinterlassen Beileidsbekundungen und fordern respektvollen Umgang mit dem letzten Video: „Bitte teilt seine letzten Minuten nicht“, bittet ein enger Freund. Gravens Familie kündigt eine Stiftung gegen digitale Gewalt an, um andere Creator zu schützen.
Gleichzeitig diskutiert die Community über die Verantwortung von Zuschauern, Plattformen und Content-Schaffenden. Gravens Ende wird zum Mahnmal dafür, wie schnell Unterhaltung in Entgleisung und menschliche Tragödie umschlagen kann – und dass das Publikum nicht wegsehen darf, wenn Grenzen überschritten werden.
Die Diskussion ist eröffnet – und sie wird das Streaming-Zeitalter nachhaltig prägen.